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Storyideen

Erstes Kapitel

Hör mich an,
ich blickte dem Teufel ins Auge.
Ich sah seine Schönheit,
die ihm den Platz im Himmelsreich kostete.
Ich sah seine Verwegenheit,
die in seinem Blick liegt.
Ich sah seine Grausamkeit,
die er seine Vergeltung nennt.
Ich sah seinen Hass,
den er die Menschheit spüren läßt.

Blasse graugrüne Wände; grün – Farbe der Hoffnung, grau – Mutlosigkeit. Eine makabere Mischung. An manchen Stellen blätterte die Farbe bereits ab und zum Vorschein kam ein kaltes, naß und schmutzig wirkendes Weiß, das den Raum noch unsauberer und ungepflegter aussehen ließ, als er ohnehin schon war.
Der Boden bestand aus fast gelblichem Linoleum, der überall Flecken in einem undefinierbaren rotbraun aufwies, über die man wohl schon einige Jahre gewischt, sie jedoch nie wirklich entfernt hatte.
Durch ein winziges Fenster, das die einzige Lichtquelle dieses Zimmers darstellte, war gerade noch der wolkenverhangene Himmel erkennbar, der sich kaum von diesen gräulichen Wänden unterschied und dem Betrachter das Gefühl vermittelte, bei schlechtem Wetter auf einer Wiese, weitab von jeglicher menschlicher Zivilisation, zu liegen und darauf zu warten, daß ein laut donnerndes Gewitter über ihn hereinbrechen würde.
Vor dieser Luke stand ein alter Tisch, überhäuft mit Zeitungen, Blättern, Stiften. Weißes Papier, vollge-kritzelt mit Gedanken, die umherschwirrten und in der Leere der Seele unterzugehen drohten. Geschmiere, das erst bei näherem Hinsehen einen Sinn ergab, sich in feste Formen verwandelte, ein Bild darstellte. Die Zeitungen waren halb zerfetzt, der Leser hatte mangels einer Schere die Artikel, die ihn interessierten, von Hand herausgerissen und sie säuberlich am Rande des Tisches aufgestapelt, die neuste Nachricht lag oben auf.
Ein wackeliger Stuhl, der wohl schon so manchen Benutzer getragen hatte, war säuberlich unter den Tisch gestellt worden. Schon viele hatten mit den Daumennägeln kleine, erst bei näherer Betrachtung sichtbare Kerben in das weiche, ursprünglich helle Holz geritzt, oder ihn gar mit Filzstiften bemalt um seinem Frust und Ärger Ausdruck zu verleihen.
Ein kleines Regal mit einigen veralteten und schon völlig zerlesenen Büchern darin – darunter die Taschenbuchversionen von Goethes Faust I oder Herr und Knecht, eines der Werke von Tolstoj – hatte seinen Platz gegenüber der schmalen Pritsche gefunden, die bei jeder Bewegung quietschte und knarrte und nicht gerade den Anschein machte, als könnte sie noch ein Schwergewicht tragen ohne durchzubrechen.
Eine Fliege, die wohl irgendwie in den Raum geraten sein mußte, summte auf, flog ihre Kreise durch das Zimmer, suchte einen Ausweg, der sie aus ihrem Gefängnis befreien könnte, raste immer wieder in das Fenster, wollte nicht begreifen, daß es hier kein Entkommen gab, unzählige verzweifelte Versuche, die sie ihrem Ziel um nichts näher brachten; dennoch gab dieses Tier nicht auf, beharrte stur darauf, daß man etwas durchdringen konnte, was nicht sichtbar war, ließ sich von der betäubenden Erschöpfung und dem schwindeligen Gefühl noch lange nicht beirren – man konnte es Dummheit nennen. Die Dummheit eines Tieres. Doch vielmehr war es die Dummheit eines jeden Lebewesens, denn auch der Mensch rammt nur allzu oft seinen Kopf gegen Hindernisse und versteht nicht, warum er sich nicht vorwärtsbewegt.
Und während die Fliege angestrengt nach der Freiheit suchte, sang außerhalb der kalten, dicken Mauern ein einsamer Vogel von den Weiten des Himmels, vom entfernten Horizont, der ihn magisch anzog und ihm doch immer entrückte, so sehr er sich auch anstrengte, ihn zu erreichen. Seine liebliche Stimme pries den Wind, der sachte durch seine Federn blies und ihn hoch in die Lüfte trug, sie huldigte den wärmenden Strahlen der Sonne, die mit einem mütterlichen Lächeln auf die Welt hinabblickte und ihr Licht und Trost spendete, der Vogel erzählte von den Dingen, die sich mindestens die Fliege herbeisehnte: Freiheit, Unbeschwertheit, das Gefühl von Wärme und Geborgenheit.
Yoru bemerkte nichts von alledem.
Er lag auf seiner Pritsche, die Arme unter dem Kopf verschränkt, starrte die Decke an und sah doch nichts. Aus dem Fenster zu blicken hatte er schon lange aufgegeben. Lange ... wie viel Zeit war denn vergangen, seit er hier festsaß? Stunden? Tage? Wochen? Hatte sich nicht schon eine Ewigkeit an ihm vorbeigeschlichen und war verschwunden, bevor er sich nach ihr hatte umdrehen können?
Jegliches Gefühl für Zeit war in der Leere von Yorus
Gedanken verloren gegangen, es schien, als hätte die
Zeit nie existiert, als hätte er schon immer sein Dasein hier verbracht und würde es auch weiterhin zwischen diesen vier Wänden fristen.
Lebte er noch? Oder hatte der Tod ihn bereits in seine sanfte Umarmung genommen und fortgetragen?
Yoru war verloren – verloren in sich selbst.
Er hatte vergessen, was es hieß, sich des Lebens bewußt zu sein. Er hatte vergessen, wie das Leben schmeckte. Wie es aussah. Für ihn gab es kein Leben mehr. Es war stehengeblieben, in der Zeit, die endlos wirkte, erstarrt, eingefroren. Vollkommene Apathie hatte von dem Jungen Besitz ergriffen.
Wie schnell ein Mensch die Hoffnung aufgeben kann, wenn er glaubt, daß es keine mehr gibt.
Dabei ist die Hoffnung so stark. Sie hält Trauernde aufrecht, läßt sie beten, daß ihre Angehörigen doch noch zurückkehren, daß alles nur ein Mißverständnis war; sie gibt den Menschen in Momenten der Mutlosi-gkeit, der Schwärze, der Leere, Rückhalt und Kraft, damit sie nicht aufgeben und für einen kleinen Funken Licht weiterkämpfen; sie läßt werdende Väter in freudiger Erwartung und tiefsitzender Furcht auf- und abgehen, während ihre Frauen unter Schmerzen die Kinder gebären; sie läßt glauben.
Doch wenn ein Mensch nichts mehr hat, woran er glauben und sich festhalten kann, verliert er auch jegliche Hoffnung und sein Lebensgeist ist auf immer erloschen. Keine Liebe, keine Wärme kann diese dann aufsteigende innere Leblosigkeit noch aufhalten. Denn was auch immer geschieht: die Hoffnung stirbt zuletzt – und nach ihr der Mensch.
Yorus Augen blickten glasig in die Leere, seine Gedanken schweiften durch den Raum, mit der Fliege, die noch immer ihre Kreise zog, hinaus in die Welt, wo der Vogel noch immer die Freiheit in den höchsten Tönen rühmte. Es war eine weite Reise, an die er sich später nicht mehr würde erinnern können, doch gehörte dies zu den einzigen Dingen, die ihm noch geblieben waren und ohne die er dem Wahnsinn verfallen würde. Sein Geist besuchte die schönsten Orte, die auf diesem Planeten zu finden waren; Strände bei Sonnenunter-gang mit einem rauschenden Meer, das aus Feuer zu bestehen schien; dunkle, kühle Wälder, deren alte Bewohner schon seit jeher ihre Wurzeln in den feuchten Boden wachsen ließen und sich das Geheimnis der Welt schweigend erzählten; höchste Berge, die, von dichtem, weißen Schnee bedeckt, über die Erde blickten, erhaben und stolz, und zwischen deren Felsklüfte königliche Adler kreisten und nisteten; heiße, lebensfeindlich wirkende Wüsten, denen die Sonne jegliche Feuchtigkeit entzogen hatte und die dennoch reich bewohnt waren, von kleinen Lebewesen, die der schier unerträglichen Hitze trotzten und aus ihrer Hölle ein Paradies gemacht hatten; weit erstreckte Meere, deren Schaumkronen tänzelnd über die Ufer schwappten, die Erde neckisch zu einem Spiel herausfordernd, doch diese ließ sich nicht provozieren, wußte sie doch von der geballten Macht des Ozeans, der die sachten Wallungen sehr schnell in wild aufpeitschende Fluten verwandeln konnten, die von der Wildheit des Windes nur noch mehr angestachelt wurden und sich in immer höhere Sphären zu katapultieren versuchten, angetrieben durch die Wut des Meeres, die sich aber bald wieder legte und so ward aus dem kraftvollen Aufbäumen wieder das ruhige und stille Mysterium geworden, das den Menschen schon seit jeher faszinierte.
Und wenn Yorus Geist die Welt nicht reichte, so wandelte sie eben darüber hinaus, in die unergründlichen Tiefen des Universums, wo aus kleinen, silbernen Punkten am Firmament brennende Sterne wurden, sterbende Sonnen und lichterloh glühende Galaxien, die in den nur erdenklichsten Farben schimmerten und brillierten und sich gegenseitig mit ihrer gewaltigen Schönheit zu übertrumpfen versuchten; wo Monde um ihre Planeten kreisten wie kleine Kinder, die sich nie zu weit von ihrer wachsamen Mutter entfernen wollten, da sie sich sonst in den Weiten des Alls verirren würden.
Yoru seufzte. Das erste Lebenszeichen seit Stunden. Der junge Mann blinzelte einmal und sein Blick wurde klar und erinnerte das erste Mal an einen lebenden Menschen und nicht mehr an eine Puppe.
Mit einer fließenden Bewegung richtete er sich auf,l schwang die Beine über den Rand der Pritsche, stellte die Füße auf den kalten Linoleumboden und sah seine Hände an. Feingliedrige, lange Finger, ein schmales Handgelenk, elegant, jugendlich, von scheinbarer Zerbrechlichkeit und doch steckte in ihnen eine stählerne Härte und Kraft, die man diesen Fingern gar nicht zugetraut hätte. Er hielt eine Hand gegen das Licht, das von draußen in das Zimmer schien, mattgraue Helligkeit, die den Geist umnebelte und ihn schwermütig werden ließ. Seine Glieder wirkten nun so unmenschlich, wie die eines Außerirdischen, und wenn Yoru nicht sie, sondern den Himmel ansah, schienen sie sich auf einmal zu vermehren, statt fünf Fingern erblickte er nun acht oder gar zehn.
Langsam senkte Yoru seinen Arm wieder, nahm die Bewegung mit jeder Faser seines Körpers wahr, da sie ihm Schmerzen verursachte, aber er ignorierte diese Empfindung geflissentlich, kam sie ja doch nur daher, weil er zu lange ohne einen Muskel zu rühren dagelegen hatte und sich nun ein wenig zu schnell und vor allem zu viel auf einmal bewegte.
Dunkle Augen blickten durch den karg eingerichteten,
kühlen Raum, prägten sich Einzelheiten ein, die das Gehirn wieder und wieder mit denselben trüben und hoffnungslosen Gedanken Yorus verband. So sehr der junge Mann auch versuchte, in dieser Trostlosigkeit ein wenig Abwechslung und vor allem einen winzigen Funken Lebensenergie und Hoffnung zu finden, dieses Zimmer vernichtete jeden noch so kleinen Schimmer.
Es war so kümmerlich, daß Yoru das Gefühl hatte, sogar seine Seele wäre darin eingezwängt, so eng, daß er es kaum wagte sich zu bewegen und so düster, daß er beinahe nicht atmen konnte, weil er fürchtete, von dieser ihn umgebenden Dunkelheit erdrückt zu werden.
Die leise schreiende Stille schien greifbar, dröhnte in seinen Ohren und gab ihm dennoch das Gefühl, vollkommen taub zu sein.
Wie konnte man da – selbst wenn man es wollte – noch Hoffnung aufglühen lassen? Es war schließlich schon schwer genug, in einem solchen Zimmer wirklich leben zu können, die meisten brachten nicht einmal das mehr fertig, denn die Kälte in den Räumen lähmte die Seelen der Menschen, die zwischen diesen Mauern ausharrten. Man begann, zu resignieren, man gewöhnte sich an diese blasse, graugrüne Farbe der Wände, an den gelblichen Linoleumboden und die alten Tische und Stühle, an die Pritsche, das Regal und die wenigen Kleidungsstücke, die immer gleich aussahen, Uniformen aus blauen Hosen, einem hellgrauen Hemd und einer blauen Jacke. Und diese Gewöhnung ließ Gleichgültig-keit in die Köpfe der Menschen einkehren und die verbannte jegliche Hoffnung aus den Gedanken, den Träumen und aus dem Leben.
Auch Yoru hatte sie verloren. Sie war ihm irgendwie in den Weiten seiner eigenen Seele aus den Händen geglitten und je mehr er nun nach ihr griff, je bemühter er versuchte, sie wieder einzufangen, desto mehr entfernte sie sich von ihm, und er wußte, daß er sie noch eine ganze Weile würde suchen müssen, denn so einfach ließ sie sich nicht packen, sie wollte erst sehen, daß er es ernst meinte.
Vielleicht würde sie wieder zu ihm zurückkehren, ihm neues Leben einhauchen, ihn lächeln lassen; vielleicht blieb sie ihm aber auch auf immer fern um ihn für sein Vergehen zu bestrafen.
Ein lauter Gong erklang, hallte in den Gängen wider und nicht wenige der Menschen in diesem Gebäude zuckten zusammen, denn jeder wußte, was dieses Zeichen zu bedeuten hatte und für viele hieß es, sich wieder zu behaupten, um ihr letztes bisschen Ehre zu kämpfen, ihr Leben zu verteidigen.
Das eindringliche Geräusch riß die Leute aus ihren Illusionen und warf sie unsanft in die harte Realität zurück, die ihnen körperlich, wie auch seelisch mehr abverlangte, als die meisten zu geben vermochten, und viele zerbrachen an dieser Aufgabe, die paradoxerweise völlig unmenschlich war und doch von den Menschen selbst gestellt wurde.
Ein weiterer Seufzer hob Yorus Brust, als er ganz aufstand und sich vor die Tür seiner Zelle stellte. Von weit her vernahm er bereits das laute Scheppern der sich nach und nach öffnenden Türen, er hörte die Befehle der Aufseher, die sich an ihre Plätze stellten und er glaubte auch die gemurmelten Gebete seiner Nachbarn aufzuschnappen, die ihre Götter darum baten, ihnen auch an diesem Tag beizustehen, ihnen
die Kraft zu geben, durchzuhalten, bis sie wieder in ihren halbwegs sicheren Zellen saßen.
Einige der Gefangenen weigerten sich, ihre Zimmer zu verlassen, also wurden sie herausgezerrt und geprü-gelt, während sie sich schreiend dagegen sträubten, aber sie hatten ja doch keine Chance, ihren Willen durchzusetzen. Hier befolgte man die Regeln der Aufseher, es gab kein Wenn und Aber.
In der kurzen Zeit, die er eigentlich hier verbracht hatte, war Yoru schnell beigebracht worden, was man von ihm erwartete und er hatte auch sehr rasch gelernt, sich an diese Regeln zu halten.
Wie auch alle anderen Insassen. Denn sobald sie ihre Zellen verlassen hatten, blieben sie schweigend stehen, gaben keinen Mucks mehr von sich, sondern starrten nur noch auf ihre Hände. Nicht einmal diejenigen, die sich erst lautstark dagegen gewehrt hatten, ihre Räume zu verlassen, sagten jetzt noch ein Wort. Jetzt waren sie wieder machtlos und allein, keine vier Wände schützten sie, sie fühlten sich wieder nackt und voll-kommen ausgeliefert.
Yoru wartete noch immer, daß ihm die Türe geöffnet wurde. Und als sie schließlich vor seinen Augen aufglitt, trat er still und ruhig, beinahe besonnen, aus seiner Zelle, erwiderte nicht die harten und strengen Blicke der Aufseher, sondern stand still, wie alle anderen auch, und er beobachtete aus den Augenwinkeln, wie sein Nachbar ebenfalls schweigend sein Zimmer verließ und sich einreihte.
Welch Ironie, welch Spott des Lebens, das diesen Menschen ins Gesicht lachte: man schenkte ihnen Freiheit. Freiheit, deren Bedeutung hier lediglich ein größerer Käfig war. Doch wenn man es genau betrachtet, stellt diese ganze Welt ein riesiges
Gefängnis dar: denn obwohl der Mensch zu immer höheren Sphären strebt und sich im falschen Glauben sonnt, die Erde hinter sich lassen zu können, so vergrößert er doch nur die Gitter seines Käfigs. Denn egal was die Menschheit tut: sie wird immer in Gefangenschaft von sich selbst sein – ihren Zweifeln, ihren Ängsten ... und ihrem Leben.

~~~*~~~

Der Schluss ändert sich vielleicht noch ^^
16.4.06 22:08





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